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"Diese Chance pusht uns!"

Nach dem 4:0-Sieg im Halbfinalhinspiel um die Deutsche Meisterschaft befindet sich die U19 vor dem Rückspiel in Dortmund in einer komfortablen Ausgangslage. Nikos Zografakis spricht im Interview über die Stärken der Herthaner, den Rückhalt vom ganzen Verein und den möglichen Einzug ins Finale.

Berlin - Knapp neun Minuten waren im Halbfinalhinspiel um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft gespielt, als sich Nikos Zografakis den Ball auf seinen starken rechten Fuß vorlegte und abzog: Der Schuss zappelte im rechten, oberen Toreck, es folgte ein ausgelassener Jubel mit den Teamkollegen. Keine 120 Sekunden zuvor hatte Zografakis die U19 der Blau-Weißen nach Doppelpass mit Dennis Jastrzembski bereits mit 1:0 gegen Borussia Dortmund in Front gebracht. Mit seinem Doppelpack ebnete Zografakis den Weg zum überzeugenden 4:0-Sieg seiner Mannschaft, die nun schon vor dem Rückspiel am Mittwoch (16.05.18, 16:30 Uhr) mit einem Bein im Finale steht. Sollte die Elf von Trainer Michael Hartmann den Einzug ins Endspiel perfekt machen, wäre das zugleich ein historischer Erfolg: Denn noch nie zog eine U19 des Hauptstadtclubs bis dato in ein Finale um die Deutsche Meisterschaft ein. 

Vor dem Rückspiel sprach herthabsc.de mit Nikos Zografakis über seinen Doppelpack im Hinspiel, die Unterstützung vom ganzen Verein und die Chance auf den Eintrag in den Geschichtsbüchern.

herthabsc.de: Nikos, ihr habt das Hinspiel eindrucksvoll mit 4:0 für euch entschieden. Aus welchen Gründen ist der Sieg so deutlich ausgefallen?
Zografakis: Der Knackpunkt war, dass wir schon in den ersten zehn Minuten zwei Treffer erzielt haben. Mit dieser Führung haben wir uns aber nicht zufrieden gegeben, sondern wir sind drangeblieben, standen in der Defensive das ganze Spiel über sehr kompakt und haben von hinten nach vorne kombiniert. Wenn wir einen guten Tag erwischen, springen am Ende eben auch mal vier Tore für uns heraus. (lacht)

herthabsc.de: Was für eine Reaktion des Dortmunder Teams erwartest du im Rückspiel?
Zografakis: Sie werden sehr aggressiv in das Spiel starten. Die Dortmunder stehen unter Druck und müssen gewinnen. Diesen Druck haben wir nicht. Es wird auf jeden Fall ein schwieriges Spiel für uns. Man sieht es ja auch immer wieder, in diesem Jahr zum Beispiel in der Champions League im Duell zwischen AS Rom und dem FC Barcelona, dass ein gewonnenes Hinspiel noch lange keine Garantie fürs Weiterkommen ist. Dementsprechend müssen wir von Anfang an fokussiert sein. Wir sollten mit der Einstellung ins Spiel gehen, dass es nochmal von Null losgeht.

herthabsc.de: Beim Hinspiel im vollen Amateurstadion waren sowohl Pál Dárdai als auch einige Profis vor Ort, um euch zu unterstützen. Was war es für ein Gefühl, vor einer solchen Kulisse auf dem eigenen Vereinsgelände aufzulaufen?
Zografakis: 
Das war ein überragender, unvergesslicher Tag. Es ist natürlich immer ein zusätzlicher Ansporn, zu wissen, dass der Profi-Trainer und Spieler aus der ersten Mannschaft zugucken kommen. Zu spüren, dass sie einen anfeuern und mitfiebern, gibt einem als Jugendspieler ein gutes Gefühl. Für mich persönlich war es umso toller, dass ich zwei Tore geschossen habe. Ort und Zeit hätten dafür nicht besser sein können. (lacht)

"Muhammed hat den Torriecher!", sagt Zografakis über Kiprit, der im Hinspiel als Kapitän der U19 auflief und doppelt netzte.

herthabsc.de: Was macht euch als Team derzeit so stark? 
Zografakis: Wir haben eine robuste Innenverteidigung, unsere Sechser haben eine enorm gute Übersicht. Außerdem verfügen wir über schnelle Stürmer, die sehr treffsicher sind. Und hinzu kommt, dass die meisten von uns sich schon seit sieben Jahren kennen. Im Laufe der Zeit sind wir eng zusammengewachsen.

herthabsc.de: Mit einem deiner Teamkollegen harmonierst du ganz besonders gut: Muhammed Kiprit. In der Staffel Nord/Nordost wurde Kiprit Torschützenkönig, in der regulären Spielzeit traf er 23 Mal - im Halbfinal-Hinspiel gelang ihm genau wie dir ein Doppelpack. Was zeichnet ihn aus? 
Zografakis: Muhammed hat den Torriecher! Er hat viel Qualität, seine Treffsicherheit ist enorm wichtig für uns. In der A-Junioren-Bundesliga 23 Saisontore zu erzielen spricht für sich. Ich glaube, dass ich die Hälfte seiner Treffer vorbereitet habe. Wir passen auf dem Rasen gut zusammen, aber auch das Team als Ganzes funktioniert sehr gut. Irgendwann hat man die Laufwege und Verhaltensweisen der Mannschaftskollegen einfach im Blut.

herthabsc.de: Nach der Hinrunde standet ihr in eurer Staffel mit drei Niederlagen noch auf dem zweiten Platz. Was habt ihr in der Rückrunde verändert? Worin seid ihr besser geworden?
Zografakis: In der ersten Hälfte der Saison haben wir mehrmals gegen Gegner gepatzt, die hinter uns standen - was uns eigentlich nicht passieren darf. Vor dem Beginn der Rückrunde haben wir es uns dann zum Ziel gesetzt, die Tabellenspitze anzugreifen. Wir haben uns zusammengerauft und gesagt: 'Wir schaffen das!' Letztendlich haben wir in der zweiten Halbserie nur ein einziges Spiel verloren und haben Woche für Woche konstante Leistungen geliefert.

Gesagt...

"Schon in der U14 haben mir meine Trainer gesagt, dass ich öfter den Kopf hochnehmen muss. Daran habe ich die letzten Jahre hart gearbeitet."

Nikos Zografakis

herthabsc.de: In der regulären Spielzeit hast du zehn Mal genetzt und 19 weitere Tore vorbereitet. Wie schätzt du deine persönliche Entwicklung ein?
Zografakis: Ich war schon in jungen Jahren ein sehr schneller Spieler. Schon in der U14 wurde mir aber auch von meinen Trainern gesagt, dass ich öfter den Kopf hochnehmen muss, um meine Mitspieler bedienen zu können. Über die Jahre habe ich hart an mir gearbeitet, mittlerweile ist das schon viel besser geworden. Gerade in dieser Saison habe ich das auch gezeigt, indem ich 19 Tore vorbereitet habe. In dieser Hinsicht habe ich mich also schon gut weiterentwickelt. Doch auch, was den Kopf angeht, muss ich mich noch entwickeln. Schließlich braucht man als junger Spieler eine gewisse Zeit, um mit dem Druck zurechtzukommen, dem wir ständig ausgesetzt sind - in jedem Training, in jedem Spiel.

herthabsc.de: Und wie siehst du deine Rolle in eurem Team?
Zografakis: Ich würde mich schon zu den Leistungsträgern zählen. In erster Linie bin ich dafür da, Tore zu schießen und Vorlagen zu geben. Natürlich gibt es auch in unserem Team mal Unstimmigkeiten, aber das ist doch ganz normal und gehört dazu.

herthabsc.de: Zurück zum bevorstehenden Rückspiel in Dortmund. Was überwiegt: Anspannung oder Vorfreude? 
Zografakis: Ich versuche immer, mit viel Spaß bei der Sache zu sein. Es wäre auch ein Fehler, sich selbst zu sehr unter Druck zu setzen. Sobald das Spiel beginnt, will ich fokussiert sein. Dann ist es mein Ziel, der Mannschaft zu helfen und im Idealfall Tore zu erzielen.

herthabsc.de: Bis dato stand noch nie eine U19 von Hertha BSC in einem Finale um die Deutsche Meisterschaft. Ihr könnt also Historisches schaffen! Ist euch das bewusst?
Zografakis: Das habe ich schon gehört und es ist auch Thema bei uns in der Mannschaft. Wir wurden in der Vergangenheit immer wieder als 'goldener Jahrgang' bezeichnet und es wurde uns schon oftmals vorgeworfen, dass wir bislang noch keinen Titel gewonnen haben. Da pusht es uns natürlich nochmal zusätzlich, dass wir die Chance haben, Historisches zu schaffen. Noch dazu wäre es ein super Abschluss unserer Zeit als Junioren.

(af/City-Press)

U19, 29.05.2018
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