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Schichtwechsel': Fahrradwerkstatt statt Fußballplatz

In dieser Woche beteiligte sich Hertha BSC an dem Aktionstag für Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung und tauschte die Arbeitsplätze.

Berlin – Hochkonzentriert beugten sich Per Skjelbred, Alexander Esswein und Niklas Stark über einen Reifen, um dessen Schlauch zu wechseln. Zuvor erklärte ihnen ein Mitarbeiter des Fahrradservice vom Lwerk in Charlottenburg, wie dies funktioniert. Für einen Tag den Arbeitsplatz tauschen, die Perspektive wechseln und Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung schaffen – das ist die Idee des Projektes 'Schichtwechsel', an dem sich Hertha BSC am Montag (21.10.19) erstmals beteiligte. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von über 100 Stiftungen, Unternehmen und Behörden aus verschiedenen Bereichen in Berlin machten in diesem Jahr bei der Aktion mit. "Wir glauben, es gibt sehr viele Vorurteile und falsche Bilder im Kopf, etwa, dass Werkstätten 'Bastelstuben' sind und stumpfsinnige Arbeit verrichten", sagt Bettina Neuhaus, Geschäftsführerin der Landesarbeitsgemeinschaft der Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderung, welche die Aktion organisiert. "Wir dachten uns, das kann man nur verändern, indem sich Menschen begegnen und gemeinsam arbeiten. Hier werden Menschen mit Behinderung als Experten wahrgenommen und nicht als diejenigen, die etwas nicht können. Das ist eine ganz besondere Situation für die Wahrnehmung beider Seiten: Was nimmt man mit? Was verändert das an den Sichtweisen?", so Neuhaus weiter.

Die Gruppe der Schichtwechseler mit Maximilian Mittelstädt bei Hertha BSC.

"Diese Arbeit respektieren und in die Öffentlichkeit tragen"

Dieses Vorhaben gelang! Die Herthaner lernten die Arbeit der Mitarbeiter wertzuschätzen: "Wir haben hier einiges gelernt, ich war wirklich sehr langsam und Per hat eine Bremse kaputt gemacht", lachte Niklas Stark. "Ich finde es sehr wichtig, was die Jungs hier machen, das gilt es einfach zu respektieren. Es ist schön, dass wir die Möglichkeit haben, das ein bisschen in die Öffentlichkeit zu tragen", fügte der 24-Jährige hinzu. Nach dem Arbeitseinsatz stellten sich die drei Herthaner in einer Gesprächsrunde den Fragen von Hertha-Fans aus verschiedenen Werkstätten der Stadt.

Am Donnerstag (24.10.19), dem eigentlichen Aktionstag, wechselten 40 Beschäftige der Behindertenwerkstätten Berlins zu Hertha BSC. Dort bekamen sie einen Einblick in das Arbeitsleben eines Profi-Fußballclubs. Sie selbst absolvierten ein Training mit einem Akademie-Trainer und schauten bei den Profis zu. Darüber hinaus besichtigten die Teilnehmer den Medienraum und löchterten anschließend in einer Gesprächsrunde Maximilian Mittelstädt und Marius Wolf mit ihren Fragen. Außerdem war ein Media-Team der Werkstätten unterwegs, die den Tag flimisch dokumentierten und auch der Pressekonferenz mit Coach Ante Covic und Geschäftsführer Sport Michael Preetz beiwohnten. "Die Spieler haben sich viel Zeit genommen. Das fand ich toll. Und das Training war einfach genial", resümierte Toni Fischer nach einem tollen Tag bei seinem Lieblingsverein. Zeitgleich waren auch Mitarbeiter von Hertha BSC unterwegs: So übten sich einige etwa als Tierpfleger im Kleintierpark Wuhletal, andere besuchten die LWB Faltboot-Reparatur und eine Tischlerei und lernten dort die Arbeit kennen.

Beschäftigte aus Behindertenwerkstätten arbeiten von nun an jedem Heimspieltag mit.

Jedes Heimspiel 'Schichtwechsel'

Anschließend an diese Aktion fiel am Samstag (26.10.19) beim Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim der Startschuss für ein besonderes Spieltags-Projekt. Von nun an werden bei jedem Heimspiel des Hauptstadtclubs zehn Mitarbeiter aus den Behindertenwerkstätten Teil der Arbeitsabläufe. Sie werden unter anderem eingesetzt im Catering, an den Einlasskontrollen und im Hospitality-Bereich in den VIP-Logen. "Wir wollen die Begegnungen, die wir durch den Schichtwechsel gemacht haben, weiter vertiefen und immer 'normaler' werden lassen. Wir wollen versuchen, die Verbindung zwischen Werkstattbeschäftigten und dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstärken", erklärt Theresa Hentschel-Boese, Leiterin des CSR-Bereiches bei Hertha BSC.

Weitere Eindrücke gibt es im Video von HerthaTV.

(lb/City-Press)

Projekte, 18.11.2019